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Kinderuroligie: Kindliches Einnässen

Unter Enuresis nocturna versteht man das Einnässen im Schlaf an mindestens zwei Nächten pro Monat nach dem 5. Lebensjahr, einem Alter, in dem normalerweise die volle Blasenkontrolle erreicht ist. Bei den 5-jährigen Kindern sind etwa 15-20% der Kinder betroffen, wobei die Selbstheilungsrate mit 15% pro Jahr sehr hoch ist. Im Alter von 15 Jahren sind noch 1-2% davon betroffen, wobei die Häufigkeit im Erwachsenenalter bei 1% liegt. Die Ursachen für die Enuresis sind vielfältig: Reifungsstörung (Maturationshemmung), genetische und familiäre Häufung, Störung der Produktion von Hormonen (ADH-Mangel), psychische Störungen, abnormes Trink- oder Miktionsverhalten, Schlafstörungen. Wichtig zur Erfassung der Beschwerden ist eine ausführliche Befragung der Eltern und des Kindes über das Trink- und Miktionsverhalten, über die familiäre und soziale Situation (Geschwister, Scheidung der Eltern, Schulprobleme), die körperliche Untersuchung, die Urinuntersuchung (mit Uringewicht), eine Sonographie der Nieren und Harnblase mit Restharnbestimmung sowie die Harnstrahlmessung.

Besondere Bedeutung kommt dem Führen eines Miktionsprotokolles über mindestens 2 Tage zu, bei der die Trink- und Urinmengen gemessen und über jeweils 24h hinweg aufgeschrieben werden. Zusatzuntersuchungen (Durchleuchtung der Harnblase während des Wasserlassens, Blasendruckmessung, Röntgenuntersuchung der Niere und Harnwege, Nierenfunktionsuntersuchung) sind nur bei speziellen Fragestellungen nötig.

Für eine erfolgreiche Behandlung der Enuresis ist die enge Zusammenarbeit zwischen Kind/Eltern und behandelndem Arzt wichtig. Bei fehlenden organischen oder psychischen Ursachen für das Einnässen ist die Erlernung eines normalen Trink- Miktionsverhaltens durch Führen von Miktionstagebüchern mit anfänglicher Unterstützung durch Medikamente meistens erfolgversprechend. Eine hohe, jedoch meist nur vorübergehende Erfolgsrate besitzt die Behandlung mit einem Hormon (ADH - als Tablette oder Nasenspray), welches zu einer höheren Konzentrierung des Urins in der Nacht führt. Allerdings ist die Rückfallquote nach Absetzen des Medikamentes sehr hoch. Da häufig eine noch unreife Harnblase mit zu kleinem Fassungsvermögen während der Nachtphase vorliegt, kann durch sogenannte Anticholinergika als unterstützende Therapie das Fassungsvermögen der Blase erhöht werden. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bieten Alarmsysteme (Klingelhosen), die das Kind direkt zu Beginn des Einnässens wecken und den rechtzeitigen Gang zur Toilette fördern sollen.

Alle Formen des zusätzlichen Einnässens am Tage (Harninkontinenz) bedürfen einer ausführlichen urologischen Zusatzuntersuchung, damit mögliche Blasenfunktionsstörungen erkannt und entsprechend behandelt werden können. Besonders wichtig im Umgang mit den Kleinsten sind Geduld, Zuwendung und das Vermitteln von Selbstvertrauen.

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